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BFSG PDF-Anforderungen: So werden Ihre PDFs konform

Inhalt

    Bis zum 28. Juni 2025 müssen Unternehmen ihre digitalen Dienstleistungen barrierefrei gestalten – das schließt PDFs ein. Doch welche Dokumente sind tatsächlich betroffen? Welche technischen Standards gelten? Dieser Leitfaden erklärt die konkreten Anforderungen an PDFs nach dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz.

    Welche PDFs sind vom BFSG betroffen?

    Das BFSG betrifft alle digitalen Dokumente, die Teil einer Dienstleistung für Verbraucher sind.

    Definitiv betroffen

    Dokumenttyp Beispiele Warum betroffen?
    Rechnungen E-Commerce, Dienstleistungen Teil des Kaufvertrags
    Verträge Versicherungen, Banken, Telko Wesentliche Dienstleistungsdokumentation
    AGB Alle Online-Anbieter Rechtsverbindliche Information
    Produktinfos Bedienungsanleitungen, Datenblätter Teil des Produktkaufs
    Kontoauszüge Banken, Finanzdienstleister Bankdienstleistung
    Formulare Anträge, Bestellformulare Interaktion mit Dienstleistung
    Tickets Bahn, Flug, Events Personenbeförderung

    Möglicherweise betroffen

    Dokumenttyp Einschätzung
    Marketing-Flyer Wenn zum Download angeboten: betroffen
    Whitepaper Wenn Teil des Angebots: betroffen
    Newsletter (PDF) Wenn regelmäßig versendet: betroffen
    Jahresberichte Wenn öffentlich zugänglich: empfohlen
    Interne Dokumente Nicht betroffen (kein Verbraucherservice)

    Die rechtliche Grundlage

    Laut BFSG § 1 Abs. 3 Nr. 3 sind E-Commerce-Dienste betroffen. Gemäß EN 301 549 müssen alle digitalen Dokumente, die Teil einer Dienstleistung sind, den Barrierefreiheitsanforderungen entsprechen.

    Der technische Standard: PDF/UA

    Für barrierefreie PDFs definiert die EN 301 549 (der harmonisierte europäische Standard) klare technische Anforderungen. Diese basieren auf zwei Säulen:

    PDF/UA (ISO 14289)

    PDF/UA steht für „PDF Universal Accessibility“ und ist der internationale ISO-Standard für barrierefreie PDFs.

    Kernprinzipien von PDF/UA:

    1. Vollständiges Tagging: Jedes Element hat eine semantische Bedeutung
    2. Logische Struktur: Die Lesereihenfolge ist klar definiert
    3. Alternative Texte: Bilder haben Beschreibungen
    4. Navigation: Lesezeichen und Dokumentstruktur vorhanden
    5. Maschinenlesbarkeit: Screen Reader können den Inhalt interpretieren

    WCAG 2.1 für Dokumente

    Die WCAG 2.1-Richtlinien gelten auch für PDFs:

    WCAG-Prinzip PDF-Anforderung
    Wahrnehmbar Alt-Texte, Kontraste, keine reinen Bild-PDFs
    Bedienbar Tastaturnavigation in Formularen, fokussierbare Elemente
    Verständlich Dokumentsprache, konsistente Navigation
    Robust Korrekte Tags, valide Struktur

    Das Matterhorn-Protokoll

    Das Matterhorn-Protokoll definiert 31 Prüfpunkte für PDF/UA-Konformität. Es ist die detaillierteste technische Spezifikation und wird von Prüftools wie dem PAC Checker verwendet.

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    Die 10 wichtigsten PDF-Anforderungen

    1. Vollständiges Tagging

    Anforderung: Jedes Inhaltselement muss mit einem semantisch korrekten Tag versehen sein.

    Was das bedeutet:

    • Text: P (Paragraph) oder Span
    • Überschriften: H1, H2, H3, etc.
    • Listen: L mit LI
    • Tabellen: Table mit TR, TH, TD
    • Bilder: Figure mit Alt-Text

    Prüfung: Öffnen Sie das PDF in Adobe Acrobat unter Anzeige → Navigation → Tags. Alle Inhalte sollten in der Tag-Struktur erscheinen.

    2. Korrekte Überschriftenhierarchie

    Anforderung: Überschriften müssen eine logische Hierarchie bilden.

    Richtig:

    H1 - Hauptüberschrift
      H2 - Unterabschnitt 1
        H3 - Detail 1a
        H3 - Detail 1b
      H2 - Unterabschnitt 2

    Falsch:

    H1 - Hauptüberschrift
      H3 - Unterabschnitt (H2 übersprungen!)
    H2 - Anderer Abschnitt (Hierarchie gebrochen)

    3. Alternativtexte für Bilder

    Anforderung: Jedes informative Bild braucht einen Alternativtext.

    Best Practices:

    • Beschreiben Sie den Inhalt, nicht das Aussehen
    • Halten Sie sich kurz (ca. 100-150 Zeichen)
    • Bei komplexen Grafiken: Längere Beschreibung im Text
    Bildtyp Guter Alt-Text
    Diagramm „Umsatzentwicklung 2024: Anstieg von 2,5 auf 3,8 Mio. Euro“
    Logo „Firmenlogo [Name]“
    Dekobild Als Artifact markieren (kein Alt-Text)
    Foto „Team-Meeting mit 5 Personen im Konferenzraum“

    4. Logische Lesereihenfolge

    Anforderung: Die Lesereihenfolge muss dem logischen Lesefluss entsprechen.

    Problem bei mehrspaltigen Layouts: Ein Screen Reader liest von links nach rechts, Zeile für Zeile. Bei Spalten kann das zu Chaos führen.

    Lösung:

    • Tags in korrekter Reihenfolge anordnen
    • Spalte 1 komplett, dann Spalte 2
    • Fußnoten am Ende der Seite oder des Abschnitts

    5. Dokumenteigenschaften

    Anforderung: Metadaten müssen korrekt gesetzt sein.

    Eigenschaft Anforderung
    Dokumenttitel Aussagekräftiger Titel (nicht Dateiname)
    Sprache Dokumentsprache (z.B. „de-DE“)
    Titelzeile Dokumenttitel anzeigen“ aktiviert
    Lesezeichen Bei Dokumenten > 5 Seiten empfohlen

    6. Tabellenstruktur

    Anforderung: Tabellen müssen korrekt strukturiert sein.

    Table
    ├── TR (Kopfzeile)
    │   ├── TH (Spaltenüberschrift 1)
    │   ├── TH (Spaltenüberschrift 2)
    │   └── TH (Spaltenüberschrift 3)
    ├── TR (Datenzeile 1)
    │   ├── TD (Daten)
    │   ├── TD (Daten)
    │   └── TD (Daten)

    Wichtig:

    • Header-Zellen mit TH, nicht TD
    • Scope-Attribut bei komplexen Tabellen
    • Keine Layout-Tabellen für Design

    7. Listenstruktur

    Anforderung: Listen müssen als echte Listen getaggt sein.

    L
    ├── LI → Lbl → "•"
    │   └── LBody → "Erster Punkt"
    ├── LI → Lbl → "•"
    │   └── LBody → "Zweiter Punkt"

    Falsch: Manuelle Aufzählungszeichen (• – *) mit P-Tags oder Nummerierung als Teil des Textes.

    8. Farbkontrast

    Anforderung: Ausreichender Kontrast zwischen Text und Hintergrund.

    Textgröße Minimaler Kontrast
    Normaler Text (< 18pt) 4,5:1
    Großer Text (≥ 18pt oder ≥ 14pt fett) 3:1
    Grafische Elemente 3:1

    Tools zur Prüfung: WebAIM Contrast Checker, Adobe Color Contrast Analyzer

    9. Keine reinen Bild-PDFs

    Anforderung: Text muss als Text vorliegen, nicht als Bild.

    Das Problem: Gescannte Dokumente sind reine Bilder – Screen Reader können nichts lesen.

    Die Lösung:

    • OCR (Optical Character Recognition) anwenden
    • Text extrahieren und korrekt taggen

    10. Navigierbare Formulare

    Anforderung: PDF-Formulare müssen per Tastatur bedienbar sein.

    • Tab-Reihenfolge definiert
    • Eingabefelder mit Labels verknüpft
    • Pflichtfelder gekennzeichnet
    • Fehlermeldungen zugänglich
    • Submit-Button erreichbar

    Tagging-Struktur im Detail

    Die wichtigsten PDF-Tags

    Tag Bedeutung Verwendung
    Document Dokumentwurzel Enthält alle anderen Tags
    Part Abschnitt Große Dokumentteile (z.B. Kapitel)
    Sect Sektion Unterabschnitte
    H1-H6 Überschriften Hierarchische Gliederung
    P Absatz Fließtext
    Span Inline-Text Text innerhalb anderer Elemente
    L Liste Container für Listenpunkte
    LI Listenpunkt Einzelner Punkt
    Lbl Label Aufzählungszeichen/Nummer
    LBody Listeninhalt Der eigentliche Text
    Table Tabelle Tabellencontainer
    TR Tabellenzeile Eine Zeile
    TH Header-Zelle Überschriftszelle
    TD Datenzelle Inhaltszelle
    Figure Abbildung Bild mit Alt-Text
    Link Hyperlink Verknüpfung
    Note Fußnote Zusatzinformation
    TOC Inhaltsverzeichnis Navigation
    TOCI TOC-Eintrag Einzelner Eintrag

    Artifacts (dekorative Elemente)

    Elemente ohne inhaltlichen Wert werden als Artifact markiert:

    • Seitenzahlen
    • Kopf- und Fußzeilen
    • Dekorative Linien
    • Hintergrundbilder
    • Wasserzeichen

    Artifacts werden von Screen Readern ignoriert.

    Prüfung: So testen Sie Ihre PDFs

    Automatische Prüftools

    Tool Kosten Beschreibung
    PAC Checker Kostenlos Der Goldstandard für PDF/UA-Prüfung
    Adobe Acrobat Pro Kostenpflichtig Integrierte Barrierefreiheitsprüfung
    axesCheck Kostenpflichtig Professionelles Prüftool
    veraPDF Kostenlos Open-Source PDF/A und PDF/UA Prüfung

    PAC Checker: Schnellstart

    1. PAC herunterladen
    2. PDF öffnen
    3. „Vollständige Prüfung“ starten
    4. Fehlerbericht analysieren
    5. Fehler beheben

    Manuelle Prüfung (zusätzlich empfohlen)

    Automatische Tools erkennen nicht alles. Prüfen Sie zusätzlich:

    • Sind Alt-Texte sinnvoll (nicht nur „Bild1“)?
    • Ist die Lesereihenfolge logisch (Screen Reader simulieren)?
    • Stimmt die Überschriftenhierarchie (Tag-Panel prüfen)?
    • Sind Tabellen ohne visuelle Darstellung verständlich?
    • Sind Links aussagekräftig (nicht nur „hier klicken“)?

    Häufige Fehler und Lösungen

    Fehler 1: Keine Tags vorhanden

    Problem: Das PDF wurde ohne Tags exportiert.

    Lösung:

    • Beim PDF-Export „Tagged PDF“ aktivieren
    • Nachträglich: Adobe Acrobat → Barrierefreiheit → Automatisch taggen
    • Besser: Spezialisiertes Tool für korrektes automatisches Tagging

    Fehler 2: Überschriften nur visuell formatiert

    Problem: Text ist groß und fett, aber als P getaggt.

    Lösung:

    • In der Quelle (Word, InDesign) Formatvorlagen verwenden
    • Nicht manuell formatieren
    • Tags nachträglich korrigieren

    Fehler 3: Fehlende Alt-Texte

    Problem: Bilder haben keinen Alternativtext.

    Lösung:

    • In Word/InDesign: Rechtsklick → Alt-Text hinzufügen
    • In Acrobat: Tags-Panel → Figure → Eigenschaften
    • Dekorative Bilder als Artifact markieren

    Fehler 4: Falsche Lesereihenfolge

    Problem: Screen Reader liest Text in falscher Reihenfolge.

    Lösung:

    • Acrobat: Lesereihenfolge-Panel nutzen
    • Tags-Panel: Struktur korrigieren (Drag & Drop)
    • Besser: Quelldokument anpassen

    Fehler 5: Gescanntes PDF ohne OCR

    Problem: Dokument ist nur ein Bild.

    Lösung:

    • Acrobat: Werkzeuge → PDF bearbeiten → Scans optimieren
    • OCR aktivieren und Text erkennen
    • Anschließend taggen

    Fehler 6: Dokumentsprache nicht gesetzt

    Problem: Sprache nicht definiert → Screen Reader wählt falsche Aussprache.

    Lösung:

    • Acrobat: Datei → Eigenschaften → Erweitert → Sprache
    • Auf „de-DE“ setzen für deutsche Dokumente

    Schritt-für-Schritt: PDF barrierefrei machen

    Option A: Von Anfang an richtig (empfohlen)

    In Microsoft Word:

    1. Formatvorlagen nutzen: Überschrift 1, Überschrift 2, etc. für Gliederung; Standard für Fließtext
    2. Bilder mit Alt-Text: Rechtsklick → Alternativtext bearbeiten
    3. Echte Listen verwenden: Aufzählung oder Nummerierung aus der Symbolleiste
    4. Tabellen korrekt aufbauen: Einfügen → Tabelle; Kopfzeile markieren
    5. Barrierefreies PDF exportieren: Datei → Speichern unter → PDF; „Dokumentstruktur für Barrierefreiheit“ aktivieren

    Option B: Bestehendes PDF korrigieren

    In Adobe Acrobat Pro:

    1. Automatisch taggen: Werkzeuge → Barrierefreiheit → Automatisch taggen
    2. Tags prüfen und korrigieren: Tags-Panel öffnen; Struktur überprüfen; Tags manuell korrigieren
    3. Lesereihenfolge prüfen: Werkzeuge → Barrierefreiheit → Lesereihenfolge; Reihenfolge anpassen
    4. Dokumenteigenschaften setzen: Datei → Eigenschaften; Titel und Sprache setzen
    5. Prüfung durchführen: Barrierefreiheit prüfen; Fehler beheben

    Option C: Automatisiertes Tool

    Für größere Dokumentmengen oder regelmäßige Konvertierungen empfiehlt sich ein automatisiertes Tool, das OCR, Tagging und Strukturierung in einem Durchgang erledigt. Unser Service analysiert und korrigiert PDFs automatisch nach PDF/UA-Standard.

    FAQ: BFSG PDF-Anforderungen

    Müssen auch interne Dokumente barrierefrei sein?

    Nach dem BFSG müssen nur Dokumente barrierefrei sein, die Teil einer Verbraucherdienstleistung sind. Rein interne Dokumente (z.B. Mitarbeiter-Protokolle) sind nicht betroffen. Allerdings: Dokumente, die an Kunden gehen (auch B2B), sollten barrierefrei sein. Für öffentliche Auftraggeber gilt zudem das BGG mit eigenen Anforderungen.

    Reicht es, PDFs nachträglich zu taggen?

    Technisch ja – ein nachträglich getaggtes PDF kann PDF/UA-konform sein. Praktisch ist es aber aufwändiger und fehleranfälliger. Die beste Lösung: Von Anfang an richtig erstellen mit Formatvorlagen in Word/InDesign. Für bestehende Dokumente empfehlen sich automatische Tools, die das Tagging qualitativ hochwertig durchführen.

    Was ist mit gescannten Dokumenten?

    Gescannte PDFs sind nur Bilder und per Definition nicht barrierefrei. Sie benötigen OCR (Texterkennung), um den Text zu extrahieren, und anschließend muss getaggt werden.

    Wie prüfe ich, ob mein PDF konform ist?

    Nutzen Sie den kostenlosen PAC Checker (PDF Accessibility Checker). Er prüft nach dem Matterhorn-Protokoll und zeigt alle PDF/UA-Fehler an. Ergänzen Sie die automatische Prüfung durch einen manuellen Test: Sind Alt-Texte sinnvoll? Ist die Lesereihenfolge logisch?

    Gilt PDF/UA 1 oder PDF/UA 2?

    Aktuell (2025) ist PDF/UA-1 (ISO 14289-1:2014) der verbindliche Standard. PDF/UA-2 ist in Entwicklung, aber noch nicht finalisiert. Ihre PDFs sollten PDF/UA-1 erfüllen – das ist ausreichend für BFSG-Konformität.

    Fazit: Barrierefreie PDFs sind machbar

    Die BFSG PDF-Anforderungen sind technisch klar definiert:

    1. PDF/UA-Standard einhalten
    2. Vollständiges Tagging mit korrekter Struktur
    3. Alt-Texte für alle informativen Bilder
    4. Logische Lesereihenfolge
    5. Dokumenteigenschaften setzen

    Ihre Optionen

    Methode Aufwand Kosten Qualität
    Manuelle Nachbearbeitung Hoch (Stunden pro Dokument) Personalkosten + Acrobat Pro Variabel
    Von Anfang an richtig Mittel (nach Schulung) Schulungskosten Gut
    Automatisches Tool Minimal (Sekunden pro Dokument) Niedrig Konsistent hoch

    Nächste Schritte

    1. PDF testen – Ist Ihr Dokument konform?
    2. PAC Checker installieren – Für regelmäßige Prüfungen
    3. Prozesse anpassen – Barrierefreiheit in Workflows integrieren

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    Weiterführende Ressourcen

    Felix
    Geschrieben von

    Felix

    Experte für barrierefreie Dokumente und digitale Zugänglichkeit.