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Barrierefreie PDF aus InDesign: Profi-Anleitung 2025

Inhalt

    InDesign ist das Werkzeug der Wahl für komplexe Layouts – Magazine, Jahresberichte, Broschüren. Und mit den richtigen Einstellungen erstellt InDesign hervorragende barrierefreie PDFs, die den PDF/UA-Standard erfüllen. Dieser Guide führt Sie durch alle relevanten Funktionen: von der Grundeinrichtung über Export-Tags bis zum fehlerfreien PDF-Export.

    InDesign oder Word: Wann was verwenden?

    InDesign ist die richtige Wahl für:

    • Komplexe Layouts (Magazine, Broschüren, Jahresberichte)
    • Präzise typografische Kontrolle
    • Wiederkehrende Publikationen mit einheitlichen Vorlagen
    • Dokumente, die gedruckt und digital veröffentlicht werden
    • Professionelle Design-Teams

    Word ist die bessere Wahl für:

    • Einfache Dokumente (Verträge, Berichte, Protokolle)
    • Schnelle Erstellung ohne Design-Expertise
    • Dokumente mit häufigen inhaltlichen Änderungen

    InDesign-Versionen und Barrierefreiheits-Features

    Feature Verfügbar seit
    Export-Tags für Absatzformate CS4
    Artikel-Panel CS5.5
    Alt-Text in Objektexportoptionen CS5
    Verbesserter Tabellenexport CC 2019
    Vollständig PDF/UA-konformer Export CC 2020+

    Für volle Barrierefreiheits-Unterstützung empfehlen wir InDesign CC 2020 oder neuer.


    Grundeinrichtung für Barrierefreiheit

    Voreinstellungen anpassen

    1. Öffnen Sie BearbeitenVoreinstellungenAllgemein (Windows) oder InDesignEinstellungen (Mac)
    2. Aktivieren Sie unter Barrierefreiheit alle verfügbaren Optionen

    Dokumentsprache festlegen

    Die Dokumentsprache bestimmt, wie ein Screen Reader den Text ausspricht:

    1. Öffnen Sie DateiDokument einrichten
    2. Alternativ: Im Absatzformat unter Erweiterte ZeichenformateSprache
    3. Für das gesamte Dokument: Stellen Sie im Standard-Absatzformat die Sprache auf „Deutsch“ ein

    Das Ziel im Blick behalten

    Ein barrierefreies PDF aus InDesign benötigt:

    • Korrekte Tag-Hierarchie (H1, H2, P, Table, etc.)
    • Logische Lesereihenfolge
    • Alternativtexte für alle informativen Grafiken
    • Vollständige Dokumenteigenschaften

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    Absatzformate mit Export-Tags verknüpfen

    Dies ist der zentrale Schritt für barrierefreie InDesign-Dokumente: Jedes Absatzformat muss mit dem richtigen Export-Tag verknüpft sein.

    Export-Tags einrichten

    1. Öffnen Sie das Absatzformate-Panel: FensterFormateAbsatzformate
    2. Doppelklicken Sie auf ein Format, um es zu bearbeiten
    3. Wählen Sie in der linken Spalte Tag exportieren
    4. Unter „PDF“ wählen Sie den passenden Tag

    Tag-Zuordnung für typische Formate

    Absatzformat PDF-Export-Tag
    Hauptüberschrift / Titel H1
    Kapitelüberschrift H2
    Unterüberschrift H3
    Fließtext / Body Copy P
    Bildunterschrift / Caption P oder Caption
    Listenpunkt LI
    Zitat / Blockquote BlockQuote

    Automatische Tag-Zuordnung

    Standardmäßig verwendet InDesign „Automatisch“ – das bedeutet, der Formatname wird als Tag verwendet. Das ist problematisch, wenn Ihre Formate kreative Namen haben wie „Headline_rot_groß“. Weisen Sie stattdessen explizit die korrekten Tags zu.

    Überschriftenhierarchie einhalten

    Wie in Word gilt: Überschriften müssen einer logischen Hierarchie folgen. Nach H1 kommt H2, nach H2 kommt H3. Ebenen zu überspringen ist ein Fehler, den der PAC Checker bemängeln wird.


    Das Artikel-Panel: Lesereihenfolge definieren

    In InDesign bestimmt nicht die Position auf der Seite die Lesereihenfolge, sondern das Artikel-Panel. Dies ist der zweite kritische Schritt für barrierefreie PDFs.

    Artikel-Panel öffnen und verwenden

    1. Öffnen Sie FensterArtikel
    2. Erstellen Sie einen neuen Artikel über das Panel-Menü oder das Plus-Symbol
    3. Ziehen Sie alle Seitenelemente in den Artikel – in der Reihenfolge, in der sie gelesen werden sollen
    4. Sortieren Sie die Elemente per Drag-and-Drop

    Was gehört in den Artikel?

    • Alle Textrahmen mit inhaltlichem Text
    • Alle informativen Bilder und Grafiken
    • Alle Tabellen
    • Inhaltsverzeichnisse und Verweise

    Was gehört nicht in den Artikel?

    • Seitenzahlen (werden als Artifact behandelt)
    • Wiederkehrende Kopf- und Fußzeilen
    • Rein dekorative Elemente

    Artikel über mehrere Seiten

    Bei mehrseitigen Dokumenten können Sie entweder einen einzigen Artikel für das gesamte Dokument erstellen oder pro Kapitel einen separaten Artikel. Wichtig ist, dass die Reihenfolge innerhalb jedes Artikels stimmt und alle Artikel zusammen die korrekte Gesamtreihenfolge ergeben.


    alt-texte“>Alternativtexte für Bilder

    Jedes informative Bild benötigt einen Alternativtext, der den Bildinhalt beschreibt.

    Alt-Text hinzufügen

    1. Wählen Sie das Bild oder den Grafikrahmen aus
    2. Öffnen Sie ObjektObjektexportoptionen
    3. Wechseln Sie zum Reiter Alt-Text
    4. Wählen Sie „Benutzerdefiniert“ als Quelle
    5. Geben Sie den beschreibenden Text ein

    Richtlinien für gute Alt-Texte

    • Beschreiben Sie, was auf dem Bild zu sehen ist und welche Information es transportiert
    • Halten Sie sich kurz: 50-125 Zeichen sind ideal
    • Verzichten Sie auf „Bild von…“ – Screen Reader kündigen Grafiken ohnehin an
    • Bei Diagrammen: Die Kernaussage und wichtigste Datenpunkte nennen

    Dekorative Bilder als Artifact markieren

    Bilder ohne inhaltliche Funktion (Schmucklinien, Hintergründe) sollten vom Screen Reader ignoriert werden:

    1. Bild auswählen
    2. ObjektObjektexportoptionen
    3. Reiter Tagged PDF
    4. Option Artifact aktivieren

    Tabellen barrierefrei gestalten

    Tabelle mit Kopfzeile erstellen

    1. Erstellen Sie die Tabelle über TabelleTabelle einfügen
    2. Öffnen Sie TabelleTabellenoptionenTabelle einrichten
    3. Setzen Sie unter „Kopf- und Fußzeilen“ die Anzahl der Kopfzeilen auf mindestens 1

    Tabellenformat mit korrekten Tags

    Erstellen Sie ein Tabellenformat mit den richtigen Export-Tags:

    • Tabellen-Tag: Table
    • Zeilen-Tag: TR
    • Kopfzellen-Tag: TH
    • Datenzellen-Tag: TD

    Komplexe Tabellen vermeiden

    Folgende Tabellenstrukturen sind problematisch für die Barrierefreiheit:

    • Verbundene Zellen (Colspan/Rowspan)
    • Verschachtelte Tabellen
    • Unregelmäßige Strukturen

    Falls unvermeidbar: Prüfen Sie das Ergebnis sorgfältig mit dem PAC Checker und korrigieren Sie gegebenenfalls manuell in Acrobat Pro.


    Inhaltsverzeichnis und Lesezeichen

    Inhaltsverzeichnis generieren

    1. Öffnen Sie LayoutInhaltsverzeichnis
    2. Wählen Sie die Absatzformate aus, die im Inhaltsverzeichnis erscheinen sollen (typischerweise H1, H2, H3)
    3. Weisen Sie jedem Format einen Stil für die Darstellung im Inhaltsverzeichnis zu
    4. Klicken Sie auf OK und platzieren Sie das Inhaltsverzeichnis

    Lesezeichen automatisch erstellen

    Beim PDF-Export können Lesezeichen automatisch aus dem Inhaltsverzeichnis generiert werden:

    1. DateiExportierenAdobe PDF (Interaktiv)
    2. Aktivieren Sie im Tab „Allgemein“ die Option Lesezeichen erstellen

    Lesezeichen manuell hinzufügen

    1. Öffnen Sie FensterInteraktivLesezeichen
    2. Wählen Sie den Text aus, auf den das Lesezeichen verweisen soll
    3. Klicken Sie auf „Neues Lesezeichen“ im Panel
    4. Vergeben Sie einen aussagekräftigen Namen

    Der PDF-Export

    Export-Varianten

    Adobe PDF (Interaktiv):

    • Optimiert für die Bildschirmdarstellung
    • Hyperlinks bleiben aktiv
    • Kleinere Dateigröße
    • Empfohlen für digitale Dokumente

    Adobe PDF (Druck):

    • Optimiert für den Druck
    • Vollständiges Farbmanagement
    • Größere Dateigröße

    Für barrierefreie PDFs funktionieren beide Varianten. Der interaktive Export ist für rein digitale Dokumente meist die bessere Wahl.

    Export-Einstellungen für Barrierefreiheit

    DateiExportierenAdobe PDF (Interaktiv)

    Im Tab „Allgemein“ aktivieren Sie:

    • Tagged PDF erstellen
    • Struktur für Neuanordnung verwenden
    • Lesezeichen erstellen
    • Hyperlinks einschließen

    Im Tab „Erweitert“ setzen Sie:

    • Sprache: Deutsch (de_DE)

    Export-Preset speichern

    Speichern Sie Ihre Einstellungen als Vorgabe, um sie wiederverwenden zu können:

    1. Öffnen Sie den Export-Dialog und setzen Sie alle Optionen
    2. Klicken Sie auf Vorgabe speichern
    3. Vergeben Sie einen Namen wie „PDF-UA barrierefrei“

    Export validieren

    Nach dem Export prüfen Sie das Ergebnis:

    1. Öffnen Sie das PDF in Adobe Reader
    2. Unter DateiEigenschaftenErweitert sollte „Tagged PDF: Ja“ und die korrekte Sprache angezeigt werden
    3. Prüfen Sie das PDF mit dem PAC Checker

    Häufige InDesign-Probleme und Lösungen

    Verankerte Objekte in falscher Reihenfolge

    Symptom: Bilder erscheinen im PDF an falscher Stelle

    Lösung: Objekte im Artikel-Panel in die korrekte Reihenfolge bringen. Alternativ in den Objektexportoptionen einen benutzerdefinierten Anker setzen.

    Textrahmen werden einzeln getaggt

    Symptom: Jeder Textrahmen wird als separates Element getaggt statt als zusammenhängender Text

    Lösung: Textrahmen miteinander verketten oder im Artikel-Panel in der korrekten Reihenfolge sortieren.

    Leerer H1-Tag

    Symptom: PAC meldet „Empty H1“

    Lösung: Prüfen Sie, ob ein leerer Absatz mit dem H1-Format existiert. Entfernen Sie den leeren Absatz oder ändern Sie das Format.

    Tabelle ohne Header-Tags

    Symptom: PAC meldet Tabellenfehler

    Lösung: Öffnen Sie Tabelle → Tabellenoptionen und setzen Sie die Anzahl der Kopfzeilen auf mindestens 1. Stellen Sie sicher, dass das Tabellenformat die korrekten Tags verwendet.

    Fehlende Alternativtexte

    Symptom: PAC meldet „Figure without alternative text“

    Lösung: Öffnen Sie die Objektexportoptionen für das betroffene Bild und fügen Sie einen Alt-Text hinzu. Falls das Bild rein dekorativ ist, markieren Sie es als Artifact.

    Falsche Dokumentsprache

    Symptom: Screen Reader spricht den Text falsch aus

    Lösung: Setzen Sie die Sprache im Export-Dialog unter „Erweitert“. Prüfen Sie auch die Spracheinstellung in den Absatzformaten.


    Häufige Fragen

    Kann ich PDF/A und PDF/UA kombinieren?

    Ja. Wählen Sie beim Export über Adobe PDF (Druck) einen PDF/A-Standard und aktivieren Sie gleichzeitig alle Barrierefreiheits-Optionen. Das resultierende PDF kann beide Standards erfüllen.

    Was mache ich mit Musterseiten-Elementen?

    Wiederkehrende Elemente auf Musterseiten (Kopfzeilen, Seitenzahlen, Logos) sollten als Artifacts behandelt werden:

    1. Wechseln Sie zur Musterseite
    2. Wählen Sie das Element aus
    3. Öffnen Sie die Objektexportoptionen
    4. Setzen Sie im Reiter „Tagged PDF“ die Option auf „Artifact“

    Funktioniert Text auf Pfaden?

    Text auf Pfaden kann problematisch sein. Der Export funktioniert grundsätzlich, aber prüfen Sie das Ergebnis im PAC Checker. Falls Probleme auftreten, können Sie alternativ einen Alt-Text für die gesamte Gruppe setzen oder das Element als Bild mit Alt-Text behandeln.

    Wie gehe ich mit Fußnoten um?

    InDesign-Fußnoten werden automatisch als Note-Tags exportiert. Stellen Sie sicher, dass das Fußnotenformat einen korrekten Export-Tag hat und dass die Fußnoten im Artikel-Panel enthalten sind.


    Zusammenfassung und Workflow

    Der InDesign-Workflow für barrierefreie PDFs

    1. Vorbereitung

    • Absatzformate mit Export-Tags erstellen
    • Dokumentsprache festlegen
    • Musterseiten-Elemente als Artifacts definieren

    2. Gestaltung

    • Formatvorlagen konsequent anwenden
    • Bilder mit Alternativtexten versehen
    • Tabellen mit Kopfzeilen erstellen

    3. Strukturierung

    • Artikel-Panel öffnen
    • Alle Elemente in Artikel ziehen
    • Reihenfolge korrekt sortieren

    4. Export

    • Tagged PDF aktivieren
    • Lesezeichen erstellen
    • Sprache setzen

    5. Prüfung

    • PAC Checker ausführen
    • Manuelle Stichprobe mit Screen Reader

    Checkliste vor dem Export

    • Alle Absatzformate haben korrekte Export-Tags
    • Alle informativen Bilder haben Alternativtexte
    • Dekorative Bilder sind als Artifacts markiert
    • Tabellen haben definierte Kopfzeilen
    • Alle Inhalte sind im Artikel-Panel erfasst
    • Die Reihenfolge im Artikel-Panel ist korrekt
    • Die Dokumentsprache ist gesetzt
    • Musterseiten-Elemente sind als Artifacts markiert

    Wenn der Export nicht perfekt ist

    InDesign-Exporte sind nicht immer fehlerfrei. Falls Sie Strukturfehler im PAC Checker finden, können Sie diese in Adobe Acrobat Pro manuell korrigieren oder unser automatisches Tool zur PDF-Optimierung nutzen.


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    Weiterführende Ressourcen

    Felix
    Geschrieben von

    Felix

    Experte für barrierefreie Dokumente und digitale Zugänglichkeit.